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Raus ist nicht immer weg: Was unsaubere Resektionsränder für deinen Hund bedeuten

Kleiner Hund am Strand
Ein befallener Resektionsrand im pathologischen Befund bedeutet, dass Tumorzellen bis an die Außenkante des entnommenen Gewebes reichen. Dadurch lässt sich nicht ausschließen, dass mikroskopisch kleine Krebszellen im Körper deines Tieres verblieben sind. Ob sich daraus tatsächlich ein Rezidiv (ein neuer Tumor) entwickelt, hängt von mehreren medizinischen Faktoren ab.

1. Was ist ein Resektionsrand

Bei einer Tumoroperation entfernt der Chirurg nicht nur die sichtbare Umfangsvermehrung. Wenn es die anatomische Lage es erlaubt, wird zusätzlich ein Saum aus gesund erscheinendem Gewebe mit herausgenommen. Dieser sogenannte "Sicherheitsabstand" soll auch Tumorzellen erfassen, die bereits über den sicht- oder tastbaren Tumor hinausgewandert sind. Anschließend wird das entnommene Gewebe zur histopathologischen Untersuchung geschickt. Dort bestimmt der Pathologe zunächst die Tumorart und untersucht unter anderem Tumorgrad, Zellteilungsaktivität, Gefäßeinbrüche und die äußeren Schnittflächen des Präparats. Diese Schnittflächen sind die Resektionsränder. Sie zeigen, wie nah die nachweisbaren Tumorzellen an den Rand des entfernten Gewebes heranreichen.


2. Sauber, knapp oder unsauber entfernt

  • Saubere oder freie Resektionsränder

An den untersuchten Schnittflächen wurden keine Tumorzellen gefunden. Im Befund stehen Formulierungen wie „vollständig entfernt“, „im Gesunden exzidiert“, „tumorfreie Schnittränder“ oder „freie Resektionsränder“. Das ist grundsätzlich ein gutes Ergebnis. Es bedeutet jedoch nicht mit 100% Sicherheit, dass sich nirgendwo mehr eine einzelne Tumorzelle befindet. Der Pathologe kann nicht jeden Mikrometer des gesamten Präparats untersuchen, sondern beurteilt ausgewählte Gewebeschnitte.


  • Knappe Resektionsränder

Zwischen Tumor und Schnittfläche ist noch gesundes Gewebe vorhanden, der Abstand ist jedoch gering. Wie ein „knapper“ Rand bewertet wird, hängt von der Tumorart, der Wachstumsform und teilweise auch von der Definition des jeweiligen Labors ab. Ein Abstand von zwei Millimetern kann bei einem klar begrenzten, biologisch wenig aggressiven Tumor ausreichend sein. Bei einem infiltrativ wachsenden Sarkom kann derselbe Abstand kritischer bewertet werden. Eine allgemeingültige Millimetergrenze für alle Tumoren gibt es nicht.


  • Unsaubere oder infiltrierte Resektionsränder

Tumorzellen reichen bis an die untersuchte Schnittfläche. Im Befund kann dann von „unvollständig entfernt“, „nicht im Gesunden exzidiert“, „tumorpositivem Schnittrand“ oder „infiltrierten Resektionsrändern“ die Rede sein.

Das bedeutet nicht automatisch, dass noch ein sichtbares Stück Tumor im Hund zurückgeblieben ist. Es bedeutet aber, dass mikroskopisch kleine Tumorreste nicht ausgeschlossen werden können und das Risiko für ein lokales Wiederauftreten erhöht sein kann.


Manche Befunde oder onkologischen Stellungnahmen verwenden die sogenannte Resttumor-Klassifikation. In der Veterinärmedizin wird sie allerdings nicht überall einheitlich eingesetzt. Bei einer R0-Resektion gibt es keinen erkennbaren Hinweis auf verbliebenes Tumorgewebe. Die Resektionsränder gelten als frei. R1 bedeutet, dass mikroskopisch kleine Tumorreste vermutet oder nachgewiesen werden. Mit bloßem Auge war während der Operation kein Resttumor erkennbar. Bei R2 ist bereits während oder nach der Operation sichtbar, dass Tumorgewebe im Körper verblieben ist. Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn ein Tumor mit wichtigen Gefäßen, Nerven oder Organstrukturen verwachsen ist und nicht vollständig entfernt werden kann. R1 und R2 sind deshalb keineswegs dasselbe. Ein mikroskopisch befallener Rand darf nicht mit einem sichtbar zurückgebliebenen Tumor gleichgesetzt werden.


3. Operiert mit Zentimetern, gemessen in Millimetern

Kleiner Hund macht Männchen am Strand bzw. im Sand

Der Tumor wurde mit einem Sicherheitsabstand von ein oder zwei Zentimetern entfernt. Im Laborbericht stehen später trotzdem nur wenige Millimeter. Für viele klingt das nach einer zu knappen Operation. Doch dieser Schluss ist nicht zwangsläufig richtig. Nach der Entfernung verändert sich das Gewebe: Es zieht sich zusammen, verformt sich und kann während der Fixierung und Aufbereitung weiter schrumpfen. Gleichzeitig können einzelne Tumorzellen mikroskopisch über die sicht- oder tastbare Tumorgrenze hinausreichen. Eine Untersuchung von 51 Mastzelltumor-Proben zeigt, wie groß dieser Unterschied sein kann. Die unter dem Mikroskop gemessenen seitlichen Ränder waren durchschnittlich 35% bis 42% kleiner als die während der Operation angelegten Abstände. Als Ursachen kommen sowohl die Schrumpfung des Gewebes als auch ein über die tastbare Grenze hinausreichendes Tumorwachstum infrage. Die Millimeterzahl im pathologischen Befund ist deshalb nicht eins zu eins mit dem chirurgisch eingehaltenen Abstand vergleichbar. Entscheidend ist das Gesamtbild: Liegen Tumorzellen direkt am Schnittrand? Wie beurteilt der Pathologe die Vollständigkeit der Entfernung? Um welche Tumorart und welchen Tumorgrad handelt es sich? Zur Studie: Chirurgisch geplante versus histologisch gemessene laterale Tumorgrenzen bei der Resektion von kutanen und subkutanen Mastzelltumoren bei Hunden: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26133218/ Aus der Praxis: Laboklin: Histopathologische Tumorgradingsysteme in der Tiermedizin


4. Unsauber entfernt – kommt der Tumor jetzt zurück?

Ein unsauberer Resektionsrand erhöht das Risiko, dass der Tumor an derselben Stelle zurückkehrt. Er ist aber keine sichere Rückfallprognose. Wie stark das Risiko steigt, hängt vor allem von der Tumorart und ihrem

biologischen Verhalten ab. Ein niedriggradiger Hauttumor ist anders zu bewerten als ein hochgradiges Sarkom, ein aggressiver Mastzelltumor oder ein infiltrativ wachsender Tumor im Maul- und Nasenbereich. Eine Metaanalyse zu Weichteilsarkomen beim Hund zeigt den Unterschied: Nach vollständiger Entfernung traten bei 9,8 % der Tumoren lokale Rezidive auf, nach unvollständiger Entfernung bei 33,3 %. Saubere Ränder senkten das Risiko damit deutlich. Dennoch entwickelten rund zwei Drittel der unvollständig entfernten Tumoren innerhalb der jeweiligen Beobachtungszeiten kein dokumentiertes Rezidiv. Diese Zahlen gelten nicht automatisch für andere Tumorarten, zeigen aber: Weder Panik noch pauschales Abwarten sind angemessen. Zur Metaanalyse

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Rückfall und Metastasen. Der Resektionsrand beschreibt vor allem die Lage am Operationsort. Ob ein Tumor streuen kann, hängt unter anderem von Tumorart, Tumorgrad, Mitosezahl, Gefäß- oder Lymphbahneinbrüchen und dem Lymphknotenstatus ab. Ein vollständig entfernter Tumor kann bereits Zellen gestreut haben. Ein lokal unvollständig entfernter Tumor kann dagegen kaum metastasieren, aber an derselben Stelle weiterwachsen. Deshalb müssen zwei Fragen getrennt beantwortet werden: Kann der Tumor vor Ort zurückkommen – und besteht unabhängig davon ein Risiko für Metastasen?


✦ Licht an – und der Tumor leuchtet!

Was wäre, wenn Chirurg:innen schon während der Operation sehen könnten, wo möglicherweise noch Tumorgewebe zurückbleibt? Eine 2026 veröffentlichte Pilotstudie hat genau das bei Hunden mit Mastzelltumoren und Weichteilsarkomen untersucht. Die Hunde erhielten 24 Stunden vor dem Eingriff den fluoreszierenden Farbstoff Indocyaningrün. Unter einer speziellen Nahinfrarotkamera leuchtete auffälliges Gewebe auf und half bei der Entscheidung, ob der Resektionsrand erweitert werden sollte. Untersucht wurden 28 Tumoren, darunter 14 Mastzelltumoren. Bei elf davon ließ sich das Verfahren einsetzen. Aufgrund der Fluoreszenz wurde bei 55 % der Mastzelltumoren mehr Gewebe entfernt als ursprünglich geplant. Noch ist die Methode nicht zuverlässig genug: Auch entzündetes oder stark durchblutetes Gewebe kann leuchten, während Tumorgewebe unauffällig bleiben kann. Sie ersetzt daher weder sorgfältig geplante Sicherheitsabstände noch die anschließende Untersuchung im Labor. Trotzdem zeigt sie, wohin sich die Tumorchirurgie entwickeln könnte: Licht an – und mögliche Tumorreste werden bereits im Operationssaal sichtbar. Zur Studie


  1. Welche Möglichkeiten gibt es nach einer unvollständigen Entfernung

Nachoperation

Bei einer Nachresektion werden die Operationsnarbe und zusätzliches umliegendes Gewebe entfernt. Sie kann sinnvoll sein, wenn ein ausreichend großer Sicherheitsabstand nachträglich noch erreichbar ist und der erwartete Nutzen die Belastung einer weiteren Operation rechtfertigt. Wichtig ist eine gute Planung. Der ursprüngliche Operationsbericht sollte genau beschreiben, wo der Tumor saß, wie groß er war und an welcher Stelle der Rand besonders knapp oder befallen ist. Markierungen und eine eindeutige räumliche Zuordnung des Präparats helfen dem Pathologen und dem nachbehandelnden Chirurgen.

Strahlentherapie

Wenn eine erneute Operation anatomisch schwierig wäre oder keine ausreichenden Ränder mehr erreicht werden können, kann eine Bestrahlung zur lokalen Tumorkontrolle infrage kommen. Sie soll verbliebene Tumorzellen im Operationsgebiet schädigen und das Risiko eines erneuten Wachstums reduzieren. Ob eine Strahlentherapie sinnvoll ist, hängt von der Tumorart, dem Ort, dem histologischen Befund, der Wundheilung und dem Allgemeinzustand des Hundes ab.


Kleiner Hund sitz aufmerksam im Sand

Kontrolliertes Beobachten

Bei biologisch wenig aggressiven Tumoren, sehr knappen, aber freien Rändern oder einem geringen erwarteten Rückfallrisiko kann eine engmaschige Kontrolle vertretbar sein. Auch Alter, Begleiterkrankungen, Narkoserisiko und die Belastung einer weiteren Behandlung spielen eine Rolle. „Beobachten“ sollte allerdings kein planloses Abwarten bedeuten. Es braucht klare Kontrollintervalle, eine dokumentierte Ausgangssituation und festgelegte Kriterien, bei welchen Veränderungen erneut gehandelt wird.


Medikamentöse Behandlung

Eine Chemotherapie oder zielgerichtete Behandlung löst das Problem eines befallenen Resektionsrandes nicht automatisch. Systemische Medikamente werden vor allem dann eingesetzt, wenn aufgrund der Tumorbiologie ein relevantes Metastasenrisiko besteht, der Tumor auf den jeweiligen Wirkstoff anspricht oder bereits eine fortgeschrittene Erkrankung vorliegt.


Wenn du den pathologischen Befund deines Hundes nicht sicher einordnen kannst, unterstützen wir dich mit einer tierärztlich-onkologischen Beratung. Gemeinsam prüfen wir Befund, Operationsbericht und mögliche nächste Schritte – verständlich, unabhängig und individuell auf deinen Hund bezogen.


Weiterführende wissenschaftliche Quellen:

Probleme und Grenzen der heutigen Beurteilung von Tumorrändern

Fachartikel zur Interpretation von Biopsieberichten: Royal Canin Academy: Chirurgische Resektionsränder – sind sie wichtig? (von Ryan Jennings) – Beleuchtet die Diskrepanz zwischen histologisch „vollständigen“ Rändern und dennoch auftretenden Rezidiven. Universitäre Dissertationen und Fallstudien: LMU München: Kasuistik caniner Mastzelltumoren (Einfluss von Resektionsränder und Histologie)


Neue Ansätze zur genaueren Einschätzung des Rückfallrisikos


Einfluss vollständiger Resektionsränder bei Weichteilsarkomen des Hundes

Spezifische Tumorinformationen zu Spindelzellsarkomen: Laboklin: Spindelzellsarkome der Haut und Unterhaut bei Hunden – Beschreibt die Bedeutung des Tumorgrades und der Resezierbarkeit für die Prognose.





 
 
 

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