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Die unterschÀtze Macht der Fette: Was der Stoffwechsel bei Krebs wirklich braucht

Die Diagnose Krebs beim Hund verĂ€ndert schlagartig den Blick auf den Futternapf. Wer sich mit der Erkrankung auseinander setzt, sucht oft auch bei der ErnĂ€hrung nach Antworten. Meist wird pauschal zu einer Art ‚KrebsdiĂ€t‘ geraten – mit dem Kernsatz: ‚Wenig Kohlenhydrate,‘ Doch die biologische Logik dahinter bleibt hĂ€ufig im Dunkeln. Dabei geht es um mehr als reine Kalorien; es geht darum, dem Tumor die Lebensgrundlage zu entziehen, ohne den Patienten zu schwĂ€chen.


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Dieser Guide blickt hinter die Kulissen des Stoffwechsels und erklĂ€rt, wie Krebszellen den Körper regelrecht ‚kapern‘. Fett ist dabei nicht gleich Fett: WĂ€hrend falsche Quellen das EntzĂŒndungsgeschehen befeuern können, dienen gezielte FettsĂ€uren als wertvolle VerbĂŒndete. Wir werfen einen Blick auf diese metabolischen Prozesse und möchten dich einladen, den Organismus deines Hundes mithilfe der FĂŒtterung strategisch zu unterstĂŒtzen.


Teil 1: Die Biochemie des „Stoffwechsel-Diebstahls“

a) Wenn der Körper sich selbst verdaut: Die Tumorkachexie

Eines der tragischsten PhĂ€nomene bei Krebserkrankungen ist die Tumorkachexie. Vielleicht bemerkst du, dass dein Hund an den SchlĂ€fen einfĂ€llt, die WirbelsĂ€ule deutlicher hervorsteht oder die Muskulatur an den Hinterbeinen schwindet – und das, obwohl er seine gewohnte Portion frisst.

FrĂŒher dachte man, der Tumor wĂŒrde einfach nur „viel Energie verbrauchen“. Heute wissen wir: Es ist viel tĂŒckischer. Der Tumor ist ein endokrines (hormonell aktives) Organ. Er sendet Botenstoffe aus (z.B. TNF-alpha), die den Körper in einen katabolen, also abbauenden Zustand versetzen. Das Fettgewebe des kranken Tieres wird dabei massiv abgebaut. Aber diese Energie kommt nicht den Herzmuskeln oder dem Gehirn zugute. Der Tumor nutzt die freiwerdenden FettsĂ€uren als Baumaterial. Krebszellen teilen sich rasant. FĂŒr jede neue Zelle brauchen sie eine Zellmembran. Und woraus besteht diese Membran? Zu einem Großteil aus Fetten (Lipiden). Der Hund verliert seine Reserven, damit der Tumor expandieren kann.

b) Der Warburg-Effekt und die Rolle der Fette

Der NobelpreistrĂ€ger Otto Warburg entdeckte, dass Krebszellen Zucker (Glukose) sogar dann vergĂ€ren, wenn genug Sauerstoff vorhanden ist (Warburg-Effekt). Viele Halter setzen daher auf eine getreidefreie ErnĂ€hrung. Das ist oft ein guter Weg, aber nur die halbe Miete. Wenn man dem Tumor den Zucker entzieht, weicht er auf andere Quellen aus. Es beginnt die de-novo-Lipogenese – der Tumor baut sich seine FettsĂ€uren einfach selbst zusammen oder „klaut“ sie aus dem Blutkreislauf. FĂŒr Hunde ist die Nutzung von Fett als Energiequelle sehr effizient. FĂŒr Krebszellen ist dieser Weg deutlich anstrengender, aber sie können ihn dennoch nutzen.


Teil 2: Das Schlachtfeld der FettsĂ€uren – Omega-3 vs. Omega-6

Um zu verstehen, wie man dem Krebs in der FĂŒtterung entgegenwirken kann, mĂŒssen wir uns die „Sprache“ der Fette ansehen. FettsĂ€uren sind nicht nur Kalorien; sie sind SignalmolekĂŒle.

a) Die Omega-6-Falle und das COX-2-Enzym

Omega-6-FettsĂ€uren, insbesondere LinolsĂ€ure, kommen in hohen Mengen in Pflanzenölen wie z.B Sonnenblumen-, Distel- oder Maiskeimöl vor. ArachidonsĂ€ure hingegen ist keine PflanzenfettsĂ€ure, sondern findet sich ausschließlich in tierischen Fetten – vor allem bei Tieren, die linolsĂ€urereich gefĂŒttert werden wie etwa bei getreidebasierten Masthaltung. In einem gesunden Körper sind auch diese FettsĂ€uren wichtig - unter anderem fĂŒr die Wundheilung. Doch bei Krebs werden sie zum Problem:

  • Die EntzĂŒndungskaskade: Der Tumor nutzt das Enzym COX-2 (Cyclooxygenase-2), um aus Omega-6-FettsĂ€uren das Prostaglandin E_2 herzustellen.

  • Immun-Tarnung: Dieses Prostaglandin wirkt wie ein Tarnmantel. Es unterdrĂŒckt die natĂŒrlichen Killerzellen des Immunsystems, die den Tumor eigentlich angreifen sollten.

  • BlutgefĂ€ĂŸ-Wachstum (Angiogenese): Es signalisiert dem Körper: „Baue neue Straßen (Adern) zu diesem Gewebe!“ Ergebnis: Der Tumor versorgt sich auf diese Weise selbst mit NĂ€hrstoffen.


"Eat Me" Keks

b) Omega-3 als „biologische Bremse“

Hier kommen die marinen Omega-3-FettsÀuren ins Spiel: EPA (EicosapentaensÀure) und DHA (DocosahexaensÀure). Wenn man die Nahrung des Hundes hochdosiert mit hochwertigem Fisch- oder Algenöl ergÀnzt, passiert folgendes:

  • Kompetitive Hemmung: Die Omega-3-FettsĂ€uren verdrĂ€ngen die Omega-6-FettsĂ€uren von den EnzymplĂ€tzen. Das Enzym COX-2 produziert keine aggressiven EntzĂŒndungsstoffe mehr, sondern „friedliche“ Botenstoffe.

  • Membran-FluiditĂ€t: Wenn man den Anteil an Omega-3 in den ZellwĂ€nden erhöht, werden diese „beweglicher“. Studien deuten darauf hin, dass dies die Krebszelle instabiler macht und sie anfĂ€lliger fĂŒr die körpereigene Abwehr oder eine Behandlung wie z.B. Chemotherapie macht.

Durch eine solche, gezielte Verschiebung des FettsĂ€urespektrums wird die FĂŒtterung von einer bloßen Energiezufuhr zu einer metabolischen Intervention. Indem Omega-3-FettsĂ€uren das Enzym besetzen, wird der Tumor isoliert: Die EntzĂŒndungskaskade bricht ab, seine immunologische Tarnung schwindet und die lebensnotwendige Neubildung von Versorgungsadern wird ausgebremst. Letztlich sorgt die Einlagerung mariner FettsĂ€uren in die Zellmembranen dafĂŒr, dass die Krebszellen ihre StabilitĂ€t verlieren und wieder angreifbar fĂŒr die körpereigene Abwehr werden.

Quelle

Gehalt an EPA/DHA

Besonderheiten

Lachsöl

Hoch

Der Klassiker. ABER: Ein Großteil der Produkte stammt heute aus konventioneller Aquakultur (Zuchtlachs). Dies ist problematisch: Zum einen ist die Schwermetall- und Schadstoffbelastung (z. B. Ethoxyquin, Dioxine oder PCB) sehr hoch. Zum anderen ist das FettsĂ€urenprofil von Zuchtfischen durch die FĂŒtterung mit Getreide oft schlechter als das von wildlebenden Artgenossen.

Öl aus Sardellen/Makrelen

Sehr Hoch

Unser Tipp: Öl aus Sardellen und Makrelen gilt als besonders hochwertig, da diese kleinen Kaltwasserfische am Anfang der Nahrungskette stehen und somit deutlich geringer mit Schadstoffen belastet sind. Durch ihren hohen Gehalt an EPA und DHA sowie die meist nachhaltigere Gewinnung aus Wildfang bietet es eine biologisch reinere und stabilere Alternative. Ein kostenloses InformationsgesprĂ€ch zu seriösen Bezugsquellen findest du hier: https://ernaehrungsberatung-hund.net/termine-buchen/

Algenöl

Sehr Hoch

Gute Alternative unter den mari Quellen. Die direkte, vegane Urquelle aus Schizochytrium sp. Ideal fĂŒr Allergiker und schadstoffarm.

Dorschlebertran

Mittel

EnthĂ€lt zusĂ€tzlich natĂŒrliches Vitamin A und D. Achtung: Nur kurweise nutzen und Überdosierung von Vitamin A vermeiden (Leberbelastung).

Krillöl

Mittel

Anders als bei Fischöl sind die FettsÀuren im Krillöl phospholipidgebunden. Es ist fettreich und kann bei Hunden mit Fettverdauungsproblemen oder Gallestörungen Durchfall oder Flush auslösen

Fette Seefische (frisch, BARF, Dosen)

Variabel

Ganze Fische wie Sardinen oder Makrelen liefern Omega-3 im natĂŒrlichen Verbund, aber auch viele Kalorien.


Teil 3: Was zusÀtzlich den Fettstoffwechsel beeinflusst

a) Die Mitochondrien: Die Kraftwerke schĂŒtzen

Krebs ist oft auch eine Erkrankung der Mitochondrien. Wenn diese kleinen Kraftwerke in den Zellen nicht mehr richtig funktionieren, gerĂ€t der gesamte Fettstoffwechsel aus den Fugen. Die AminosĂ€ure L-Carnitin ist das „Taxi“, das FettsĂ€uren in die Mitochondrien transportiert. Bei Krebs besteht hĂ€ufig ein Mangel. Eine ErgĂ€nzung kann helfen, die Fettverbrennung des gesunden Gewebes zu unterstĂŒtzen und die Herzmuskulatur zu schĂŒtzen.

b) Das Mikrobiom: Darm und Krebs

Die Darmflora bestimmt, wie gut dein Hund Fette ĂŒberhaupt aufnehmen kann. Eine gestörte Darmbarriere („Leaky Gut“) fĂŒhrt dazu, dass Bakterienbestandteile ins Blut gelangen. Diese lösen systemische EntzĂŒndungen aus, die den Fettabbau (Kachexie) weiter befeuern. Eine darmgesunde ErnĂ€hrung ist also indirekt auch Krebstherapie und -vorsorge.

c) Übergewicht: Das gefĂ€hrliche Depot

Fettgewebe bei ĂŒbergewichtigen Hunden ist kein passiver Speicher. Es ist eine DrĂŒse, die permanent Adipokine ausschĂŒttet. Diese Stoffe halten den Hund in einer chronischen EntzĂŒndung. Bei Hunden mit GesĂ€ugekrebs (Mammatumoren) ist wissenschaftlich belegt, dass Übergewicht die Prognose dramatisch verschlechtert. Ergo: Ein gesundes Gewicht ist keine Frage der Ästhetik, sondern eine Form der aktiven TumorprĂ€vention. ÜberschĂŒssiges Fettgewebe fungiert als EntzĂŒndungstreiber, der dem Immunsystem wertvolle Ressourcen raubt. Eine kontrollierte Gewichtsreduktion hilft dabei, diesen hormonellen „Dauerbeschuss“ zu stoppen und den Stoffwechsel zurĂŒck in die Regulation zu fĂŒhren.


Teil 4: Die praktische Umsetzung – Den „Dieb“ aushungern

Wie sieht nun die konkrete Umsetzung im Alltag aus? Es lohnt sich, die Auswahl der Fette zielgerichtet zu durchdenken, um den Stoffwechsel des Hundes zu stÀrken wÀhrend man dem Tumor den Energienachschub erschwert.

Frenchie mit "High Five" und FutterschĂŒssel

  • Vermeide Öle mit hohem Omega-6-Anteil. Setze stattdessen auf marine und hochwertige Quellen fĂŒr EPA und DHA. Achte zusĂ€tzlich auf Schwermetallfreiheit und Oxidationsschutz der Produkte Der Zusatz von Vitamin E fungiert als „biologischer Rostschutz“, der die hochgradig instabilen Omega-3-FettsĂ€uren vor der Oxidation durch Sauerstoff bewahrt. Ohne diesen Schutz wĂŒrden die wertvollen Fette bereits in der Flasche ranzig werden.

  • Kokosöl (MCT-Fette): Mittelkettige Triglyzeride werden direkt ĂŒber die Leber verstoffwechselt. Sie liefern dem Hund schnell Energie, ohne den Insulinspiegel zu erhöhen – ein großer Vorteil, da Insulin das Krebswachstum fördern kann.

  • Tierische Fette: Hochwertiges Fett von Weidetieren (z.B. Rindertalg, Schmalz) enthĂ€lt oft ein besseres FettsĂ€ureprofil als Fett aus Massentierhaltung.

  • FĂŒtterungsstrategie mit moderatem Keto-Ansatz. Reduziere Kohlenhydrate (Reis, Kartoffeln, Getreide) auf ein Optimum/Minimum. Der Großteil der Kalorien sollte aus hochwertigem Protein und Fett kommen. FĂŒttere mehrere kleine Portionen, das hĂ€lt den Insulinspiegel stabil.

  • Neben der richtigen Fettwahl können Vitalpilze (Mykotherapie) eine starke UnterstĂŒtzung sein, um den Stoffwechsel deines Hundes wieder in Balance zu bringen. Sie wirken wie natĂŒrliche „Modulatoren“ an den entscheidenden Schnittstellen. Der Reishi z.B. kann die Leber im Fettstoffwechsel unterstĂŒtzen und hilft dabei, entzĂŒndliche Signale aus dem Gewebe zu dĂ€mpfen. Der Maitake ist in der Lage, die Insulinreaktion zu verbessern und der Cordyceps kann Mitochondrien stĂ€rken und hilft so den gesunden Zellen, Energie effizienter zu nutzen.


Fazit: Den Napf als Chance begreifen

Der Zusammenhang zwischen Fettstoffwechsel und Krebs ist hochkomplex, doch die Kernbotschaft bleibt simpel: Fett ist Information. Indem man entzĂŒndungsfördernde Protagonisten erkennt und die richtigen Quellen therapeutisch dosiert einsetzt, greifen man direkt in die Kommunikation des Tumors ein. So nimmst du ihm im gĂŒnstigsten Fall die Werkzeuge, um sich zu tarnen und weiter auszubreiten. Dieser Artikel kann bei einem so vielschichtigen Thema nur einen Ausschnitt beleuchten und soll dazu einladen, dich tiefer mit der FĂŒtterung zu beschĂ€ftigen. Fang am besten damit an, die aktuelle ErnĂ€hrung kritisch zu prĂŒfen: auf versteckten Zucker, billige Pflanzenöle, auf die QualitĂ€t der Proteine und enthaltene ZusĂ€tze, die Aufschluss darĂŒber geben, wie hochwertig die Rohstoffe wirklich sind. Informiere dich ĂŒber marines Omega-3-Öl und sprich mit deinem Tierarzt oder Onkologen ĂŒber COX-2-Hemmer, um bei Bedarf die biochemische Bremse voll anzuziehen.

Krebs ist ein mĂ€chtiger Gegner, doch ĂŒber den Napf hast du jeden Tag die Chance, den Stoffwechsel deines Hundes strategisch zu stĂ€rken. Da jeder Patient eine maßgeschneiderte Lösung verdient, unterstĂŒtzen wir dich gerne dabei. Nutzen Sie unsere Plattform fĂŒr eine individuelle Beratung: www.krebsbeimhund.com


 

1 Kommentar

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Silke Hinsch
21. Dez. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Seit ich meine HĂŒndin mit Omega-3 Öl nahe an der maximalen Dosis und MCT Öl sowie nur einem sehr geringen Anteil an StĂ€rke (gekochte, gekĂŒhlte Kartoffeln.) fĂŒttere, hat sie wieder mehr Muskulatur bekommen und ihr Wohlbefinden hat sich erheblich gesteigert. ZusĂ€tzlich bekommt sie PrĂ€biotika und Vitalpilze.

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