
Lexikon für Tumore & Krebserkrankungen
beim Hund
Dies ist eine Projektseite der Plattform Krebs beim Hund. Hier entsteht ein Lexikon und Wissenspool für Krebserkrankungen und Krebstherapien für Hunde. Es ist der ideale Ort, um Besuchern mehr Informationen zum Thema Krebs beim Hund und Hintergrund zu unserer Arbeit zu geben. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung
Prostatatumore zählen insgesamt zu den seltenen Tumorerkrankungen beim Rüden, stehen aber im klinischen Kontext häufig im Zusammenhang mit anderen Prostataerkrankungen. Die Prostata ist eine akzessorische Geschlechtsdrüse, deren Wachstum und Funktion stark testosteronabhängig sind. Erkrankungen der Prostata nehmen mit zunehmendem Alter deutlich zu. Man unterscheidet bei Prostataveränderungen:
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gutartige Prostatahyperplasie (BPH),
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Prostatitis,
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Prostatazysten und Abszesse,
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sowie bösartige Prostatatumore (Prostatakarzinome).
Echte Prostatatumore sind selten, betreffen vor allem ältere Rüden (meist > 8 Jahre) und sind in der Mehrzahl hochgradig bösartig. Im Gegensatz zu Mammatumoren bei der Hündin gibt es kaum gutartige Prostataneoplasien beim Hund. Prostatakarzinome wachsen aggressiv, infiltrieren früh umliegendes Gewebe (Harnröhre, Becken) und metastasieren häufig in Lunge, Knochen und Lymphknoten.
Einfluss der Sexualhormone
Die Prostata des Rüden ist stark testosteronabhängig, allerdings gilt dies nicht in gleicher Weise für Prostatatumore wie für Mammatumore der Hündin. Gutartige Prostatavergrößerungen (BPH) entstehen hormonell und betreffen über 80 % aller intakten Rüden im höheren Alter. Prostatakarzinome hingegen gelten als hormonunabhängig oder sogar androgenunabhängig. Das ist ein zentraler Punkt, der oft missverstanden wird.
Einfluss der Kastration auf Prostataerkrankungen
Die Kastration hat einen sehr starken präventiven Effekt auf nicht-tumoröse Prostataerkrankungen, aber keinen schützenden Effekt gegen Prostatakarzinome.
Gut belegt ist, dass die Kastration zu einer raschen Rückbildung der benignen Prostatahyperplasie führt, dass das Risiko für Prostatitis, Zysten und Abszesse deutlich sinkt und dassHarn- und Kotabsatzprobleme durch Prostatavergrößerung sich meist dauerhaft beheben lassen. Mehrere Studien zeigen, dass Prostatakarzinome bei kastrierten Rüden nicht seltener auftreten, teilweise sogar häufiger diagnostiziert werden als bei intakten Rüden. Der Grund ist nicht vollständig geklärt, vermutlich spielen veränderte Wachstumsrezeptoren und aggressive Tumorphänotypen eine Rolle.
Kastrationszeitpunkt und Prostatatumore
Anders als bei der Hündin gibt es keinen schützenden „Zeitfenster-Effekt“:
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Frühkastration: schützt effektiv vor BPH und hormonbedingten Prostataerkrankungen, senkt aber nicht das Risiko für Prostatakarzinome
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Kastration im Erwachsenenalter: therapeutisch sehr sinnvoll bei BPH, Prostatitis, Zysten, kein präventiver Effekt gegenüber Prostatatumoren
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Kastration nach Diagnosestellung eines Prostatakarzinoms: meist ohne prognostischen Nutzen, da diese Tumore hormonunabhängig sind
Einordnung und Entscheidungsfindung
Die Kastration des Rüden ist eine sehr wirksame Maßnahme zur Gesunderhaltung der Prostata insgesamt, aber kein Schutz vor Prostatakrebs. Das unterscheidet den Rüden grundlegend von der Hündin mit Mammatumorrisiko. Die Vorteile der Kastration beim Rüden sind deutliche Reduktion altersbedingter Prostatavergrößerungen, geringeres Risiko für schmerzhafte Entzündungen und eine verbesserte Lebensqualität bei bestehenden Prostataproblemen.
Mögliche Nachteile sind Gewichtszunahme, Fellveränderungen, Inkontinenz (selten, rasseabhängig), kein Schutz vor Prostatakarzinomen.
Die Entscheidung zur Kastration sollte daher nicht mit dem Argument „Krebsvorsorge Prostata“ begründet werden, sondern individuell anhand von Alter, Prostatabefund, klinischen Symptomen, der Rasse und Gesamtgesundheit.
Welche sind die Symptome bei Prostatatumoren?
Klinische Symptome sind oft unspezifisch und werden spät erkannt:
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erschwertes oder schmerzhaftes Kotabsatzverhalten,
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Blut im Urin oder Sperma,
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Lahmheit (bei Knochenmetastasen),
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Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche
Wie erfolgt die Diagnostik?
Die Diagnostik eines Prostatakarzinoms beim Hund ist anspruchsvoll, da frühe Symptome meist unspezifisch sind und sich klinisch kaum von anderen Prostataerkrankungen unterscheiden. Häufig werden Prostatatumore erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Am Anfang steht die klinische Untersuchung, insbesondere die rektale Palpation der Prostata. Dabei können eine unregelmäßige Oberfläche, deutliche Verhärtungen, Asymmetrien oder Schmerzen Hinweise auf eine maligne Veränderung geben. Diese Befunde sind jedoch nicht beweisend, da auch Entzündungen oder Zysten ähnliche Tastbefunde verursachen können. Die bildgebende Diagnostik ist zentral:
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Ultraschall erlaubt die Beurteilung von Größe, Struktur und Abgrenzung der Prostata. Inhomogene Areale, Verkalkungen und eine irreguläre Kapsel sprechen für ein Karzinom.
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Röntgenaufnahmen des Thorax sind wichtig zum Nachweis von Lungenmetastasen.
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Bei Lahmheit oder Schmerzen im Beckenbereich sollte eine Bildgebung der Wirbelsäule und Knochen erfolgen, da Knochenmetastasen häufig sind.
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CT oder MRT liefern eine deutlich bessere Beurteilung der lokalen Ausbreitung, sind aber nicht immer verfügbar.
Laboruntersuchungen (Blutbild, Organparameter) dienen vor allem der Allgemeinbeurteilung und Therapieplanung. Im Gegensatz zum Menschen ist der PSA-Wert beim Hund nicht zuverlässig und hat keinen diagnostischen Stellenwert. Die sichere Diagnose erfolgt nur über eine zytologische oder histologische Untersuchung. Diese kann mittels Feinnadelaspiration, Biopsie oder im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs erfolgen. Dabei muss das Risiko von Blutungen oder Tumorzellverschleppung sorgfältig abgewogen werden.
Wie ist die Prognose für Prostatakrebs beim Hund?
Die Prognose für Hunde mit Prostatakarzinom ist insgesamt ungünstig. Es handelt sich fast immer um aggressive, schnell wachsende Tumoren mit hoher Metastasierungsrate.
Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegen häufig bereits lokale Invasion (Harnröhre, Blasenhals, Becken), regionale Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen (Lunge, Knochen) vor. Die mittlere Überlebenszeit beträgt – abhängig von Stadium und Therapie – meist wenige Monate, selten über ein Jahr. Eine Heilung ist in der Regel nicht möglich. Die Therapie ist daher überwiegend palliativ ausgerichtet, mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten und Komplikationen wie Harnverhalt oder starke Entzündungen zu kontrollieren. Ein früh diagnostizierter, lokal begrenzter Tumor ist selten, hätte aber theoretisch eine etwas bessere Prognose – praktisch kommt dies kaum vor
Welches sind die tiermedizinischen Behandlungsmöglichkeiten?
Chirurgische Therapie
Eine vollständige chirurgische Entfernung der Prostata (Prostatektomie) ist beim Hund technisch möglich, jedoch mit hoher Komplikationsrate verbunden. Häufige Folgen sind schwere Harninkontinenz und neurologische Störungen. Aufgrund der meist fortgeschrittenen Erkrankung und frühen Metastasierung wird die Operation nur sehr selten empfohlen.
Chemotherapie
Chemotherapeutische Ansätze zielen auf Tumorwachstumshemmung und Symptomlinderung ab. Die Wirksamkeit ist begrenzt, kann aber die Überlebenszeit moderat verlängern. Verwendet werden u. a.:
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Mitoxantron
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Carboplatin
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Doxorubicin (seltener)
Die Entscheidung für eine Chemotherapie hängt stark vom Allgemeinzustand des Hundes und den Zielen der Halter:innen ab.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie kann lokal tumorverkleinernd wirken und insbesondere Schmerzen lindern. Sie wird vor allem palliativ eingesetzt, ist aber nur an spezialisierten Zentren verfügbar.
Schmerz- und Begleittherapie
Ein zentraler Bestandteil der Behandlung ist die konsequente Schmerztherapie, häufig in Kombination aus NSAIDs, Opioiden, ggf. Gabapentin bei neuropathischen Schmerzen.
Wie wird die Medikation gewählt? (Wirkstoff + Handelsname)
Eine Besonderheit beim Prostatakarzinom des Hundes ist der Einsatz von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDs) mit antitumoröser Wirkung:
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Piroxicam (z. B. Feldene®, Off-Label in der Tiermedizin)
→ hemmt COX-2, das in Prostatatumoren häufig überexprimiert ist
→ kann das Tumorwachstum verlangsamen und Symptome lindern
Alternativ oder bei Unverträglichkeit:
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Firocoxib (Previcox®)
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Meloxicam (Metacam®)
Die Wahl des NSAIDs richtet sich nach:
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Nieren- und Leberfunktion,
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gastrointestinalem Risiko,
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Begleitmedikation.
Bei Chemotherapie kommen je nach Protokoll z. B. Mitoxantron oder Carboplatin zum Einsatz, meist kombiniert mit einem NSAID.
Eine hormonelle Therapie (Kastration, Antiandrogene) ist nicht wirksam gegen Prostatakarzinome.
Naturheilkundliche Verfahren können keine kurative Wirkung bei Prostatakrebs entfalten. Ihr Einsatz ist aber begleitend und palliativ sehr sinnvoll.
Phytotherapie
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Curcumin: entzündungshemmend, antioxidativ, potenziell antiproliferativ
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Grüntee-Extrakte (EGCG): in vitro antitumorale Effekte
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Sägepalme (Serenoa repens): symptomlindernd bei BPH, nicht tumortherapeutisch, kann aber Harnabsatzbeschwerden mildern
Mykotherapie
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Coriolus versicolor und Reishi (Ganoderma lucidum) können immunmodulierend wirken und sind möglicherweise unterstützend für die Lebensqualität
Orthomolekulare Begleitung
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Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) zur Entzündungsmodulation
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Antioxidantien in moderater Dosierung
Achtung: Hochdosierte Antioxidantien können unter Chemotherapie kontraproduktiv sein.
Prostatakrebs beim Hund ist eine aggressive, meist spät erkannte Erkrankung mit begrenzten therapeutischen Möglichkeiten. Die Kombination aus schulmedizinischer Schmerz- und Entzündungskontrolle, ggf. Chemotherapie und sorgfältig ausgewählter naturheilkundlicher Begleitung kann die Lebensqualität verbessern
Für onkologische Beratung
45 Min.
119 Euro
Für naturheilkundliche Beratung
40 Min.
95 Euro

