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Krebs trifft auch Katzen: Tumoren & Therapien

12. Sept.
8 Min. Lesezeit
Gestromerte Katze räkelnd auf dem Rücken

Auf krebsbeimhund geht es um Hunde - aber heute widmen wir diesen Platz den Samtpfoten. Denn unser Team berät und behandelt bei Bedarf selbstverständlich auch Katzen, denn hinter deren Befunden stehen Menschen, die genauso erschrocken, ratlos und voller Sorge sein können. Katzen bekommen ebenfalls Krebs. Dennoch stehen sie in Gesprächen über Tieronkologie oft weniger im Mittelpunkt. Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen: Welche Tumoren treten bei ihnen besonders häufig auf? Was hält Menschen davon ab, eine Behandlung zu beginnen? Und wie kann eine Therapie aussehen, die zur Erkrankung und zur Katze passt?


1. Welche Krebsarten bei Katzen besonders häufig vorkommen

Zu den häufig diagnostizierten Tumorerkrankungen bei Katzen zählen Lymphome, Milchdrüsenkarzinome, Plattenepithelkarzinome, Weichteilsarkome und Mastzelltumoren. Ihre Häufigkeit variiert je nach untersuchter Population und Datengrundlage. Statistiken aus Gewebelaboren erfassen beispielsweise andere Fälle als Erhebungen aus tierärztlichen Praxen oder spezialisierten Kliniken. Eine allgemeingültige Rangfolge lässt sich daraus nur eingeschränkt ableiten.


  • Lymphome: bösartige Erkrankungen der lymphatischen Zellen

Lymphome entstehen aus Lymphozyten, einer Gruppe weißer Blutkörperchen, die an der Immunabwehr beteiligt ist. Da lymphatisches Gewebe in zahlreichen Organen vorkommt, können Lymphome unterschiedliche Körperbereiche betreffen. Bei Katzen ist besonders der Magen-Darm-Trakt betroffen; weitere mögliche Lokalisationen sind unter anderem Nieren, Nasenhöhle und Brustraum. Ein Darmlymphom kann sich durch Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen, Durchfall oder Veränderungen des Appetits äußern. Diese Symptome sind unspezifisch und treten auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf. Unauffällige Blutwerte schließen ein Darmlymphom nicht aus. Für eine gesicherte Diagnose und die genauere Einordnung sind häufig Gewebeproben mit anschließender histopathologischer Untersuchung erforderlich. Von besonderer Bedeutung ist die Unterscheidung zwischen kleinzelligen, meist niedriggradigen und großzelligen, meist hochgradigen Lymphomen. Niedriggradige Darmlymphome verlaufen häufig langsamer und können unter Behandlung über längere Zeit kontrolliert werden. Hochgradige Formen schreiten meist schneller fort und erfordern eine andere therapeutische Vorgehensweise. Die Bezeichnung „Lymphom“ allein erlaubt deshalb keine verlässliche Aussage über die Prognose. Cornell Feline Health Center zu Lymphomen


  • Milchdrüsentumoren: häufig bösartig und mit hohem Metastasierungspotenzial

Milchdrüsentumoren treten überwiegend bei weiblichen Katzen auf. Ein großer Anteil ist bösartig; meist handelt es sich um Karzinome, also Tumoren des Drüsengewebes. Sie können in das umliegende Gewebe einwachsen und Metastasen in regionalen Lymphknoten sowie anderen Organen bilden. Jede neu festgestellte Umfangsvermehrung im Bereich der Milchdrüsen sollte deshalb zeitnah tierärztlich untersucht werden. Auch ein kleiner, zunächst schmerzloser Knoten kann bösartig sein. Für die Prognose sind insbesondere Tumorgröße, histologischer Grad und Ausbreitungsstadium relevant. Früh erkannte, kleinere Tumoren bieten im Allgemeinen günstigere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung als große oder bereits metastasierte Veränderungen. Der Zeitpunkt einer Kastration beeinflusst das Erkrankungsrisiko: Vor allem eine frühe Kastration kann das spätere Risiko für Milchdrüsenkarzinome deutlich senken. Cornell Feline Health Center zu Milchdrüsentumoren


  • Plattenepithelkarzinome: die Lokalisation bestimmt das Tumorverhalten wesentlich

Katze guckt um die Ecke raus

Plattenepithelkarzinome entstehen aus Zellen des Oberflächenepithels, das unter anderem Haut und Schleimhäute bildet. Bei Katzen kommen sie insbesondere an der Haut und in der Maulhöhle vor. Trotz derselben Tumorbezeichnung unterscheiden sich diese Formen deutlich in ihrem Verlauf und ihren Behandlungsmöglichkeiten. An wenig pigmentierten und schwach behaarten Hautbereichen, vor allem an Ohrmuscheln und Nasenspiegel, kann chronische UV-Belastung die Entstehung begünstigen. Verdächtig sind anhaltende Krusten, oberflächliche Gewebedefekte und nicht heilende Hautveränderungen. Früh erkannte, oberflächlich begrenzte Tumoren können häufig durch eine geeignete lokale Behandlung kontrolliert werden. Das orale Plattenepithelkarzinom verhält sich dagegen meist ausgesprochen invasiv. Es kann umliegendes Weichteilgewebe und Kieferknochen zerstören. Mögliche Symptome sind vermehrter Speichelfluss, Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme, Blutungen, auffälliger Mundgeruch und Schwellungen. Da diese Beschwerden auch bei Zahnerkrankungen auftreten, ist eine gründliche Untersuchung mit gezielter Probenentnahme wichtig. Bei fortgeschrittenen Tumoren sind eine vollständige Entfernung und eine längerfristige Krankheitskontrolle häufig schwierig. https://www.vet.cornell.edu/departments-centers-and-institutes/cornell-feline-health-center/health-information/feline-health-topics/s


  • Weichteilsarkome: häufig ausgeprägt invasives Wachstum

Weichteilsarkome sind bösartige Tumoren, die aus Geweben wie Bindegewebe entstehen. Bei Katzen gehören dazu insbesondere Fibrosarkome. Eine besondere Gruppe bilden die felinen Injektionsstellen-Sarkome, die selten im Bereich vorausgegangener Injektionen entstehen. Sie können nach unterschiedlichen Injektionen auftreten und sind nicht ausschließlich mit Impfungen verbunden. Injektionsstellen-Sarkome können sich weit über die äußerlich sichtbare oder tastbare Umfangsvermehrung hinaus in das umliegende Gewebe ausbreiten. Diese Ausläufer sind für die Operationsplanung relevant und tragen zum Risiko eines örtlichen Wiederauftretens bei. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten die Gewebediagnostik und die Beurteilung der Tumorausdehnung vor einer geplanten Entfernung abgestimmt werden. Je nach Befund kann dafür eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie erforderlich sein. Eine sorgfältig geplante erste Operation ist besonders wichtig, weil eine unvollständige Entfernung die weitere Behandlung erschweren kann. North Carolina State University zu Injektionsstellen-Sarkomen


  • Mastzelltumoren: Haut und innere Organe getrennt beurteilen

Mastzelltumoren entstehen aus Mastzellen, die unter anderem an Entzündungsreaktionen und allergischen Vorgängen beteiligt sind. Bei Katzen kommen sie sowohl in der Haut als auch in inneren Organen vor, insbesondere in Milz und Darm. Ihr biologisches Verhalten hängt wesentlich von der Lokalisation und der jeweiligen Tumorform ab. Viele typische kutane Mastzelltumoren, also Mastzelltumoren der Haut, haben nach vollständiger operativer Entfernung eine günstige Prognose. Es existieren jedoch auch aggressivere Varianten, weshalb die histopathologische Untersuchung für die weitere Beurteilung wichtig ist. Bei Mastzelltumoren der Milz kann eine Splenektomie, die operative Entfernung der Milz, eine wirksame Behandlung darstellen. Dafür müssen unter anderem eine mögliche Beteiligung weiterer Organe und der Allgemeinzustand der Katze berücksichtigt werden. Intestinale Mastzelltumoren verhalten sich häufig aggressiver und sind gesondert zu beurteilen. Prognosemodelle und Erfahrungen aus der Hundeonkologie lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Katzen übertragen. VCA zu Mastzelltumoren bei Katzen


2. Warum Katzen bei der Krebsbehandlung leichter aus dem Blick geraten

Dass Katzen in der Onkologie weniger sichtbar sind als Hunde, lässt sich nicht mit einem einzigen Grund erklären. Eine verlässliche allgemeine Behandlungsquote für Deutschland, aus der sich der Unterschied genau beziffern ließe, steht uns hier nicht zur Verfügung. Umso wichtiger ist es, mögliche Hürden konkret zu betrachten, statt Katzenhaltern pauschal weniger Einsatz zu unterstellen. Eine dieser Hürden kennt fast jeder, dessen Katze Tierarztbesuche fürchtet. Schon die Transportbox verändert die Stimmung im Haus. Es folgt die Fahrt, dann das Wartezimmer, fremde Gerüche und eine Untersuchung. Wenn eine Behandlung regelmäßige Termine verlangt, denken Halter verständlicherweise nicht nur an deren medizinischen Nutzen. Sie denken auch an die Katze, die sich danach stundenlang versteckt. Die Sorge vor diesem Stress wird in der Fachliteratur zur Katzenonkologie als mögliche Zugangshürde beschrieben. Ebenso werden die geringere Nutzung tierärztlicher Leistungen und eine schwächere Forschungsbasis im Vergleich zur Hundeonkologie diskutiert. Wie stark diese Faktoren eine einzelne Entscheidung beeinflussen, ist damit noch nicht beantwortet. Sie zeigen aber, dass die Versorgung von Katzen eigene Schwierigkeiten hat. Cannon: Cats, Cancer and Comparative Oncology Hinzu kommt die Medikamentengabe. Bei einem Hund lässt sich eine Tablette in der Regel recht unkompliziert verabreichen. Bei einer Katze kann derselbe Versuch jeden Tag zu einer Auseinandersetzung werden. Wenn ein Plan davon ausgeht, dass Medikamente zu Hause zuverlässig gegeben werden, muss vorher besprochen werden, ob und wie das gelingen kann. Auch das Erkennen von Krankheit kann komplizierter sein. Bei Freigängern bleiben Futteraufnahme und Ausscheidungen teilweise unbeobachtet. In einem Mehrkatzenhaushalt ist nicht immer sofort klar, welche Katze ihr Futter stehen lässt. Beschwerden werden dadurch möglicherweise erst dann deutlich, wenn bereits Gewicht verloren gegangen ist oder der Allgemeinzustand nachlässt. Beim Darmlymphom kommt hinzu, dass die anfänglichen Symptome anderen chronischen Erkrankungen ähneln können. Kosten und Wege spielen ebenfalls eine Rolle. Zu einer Behandlung gehören oft Diagnostik, Kontrollen, Medikamente und gegebenenfalls Fahrten in eine spezialisierte Einrichtung. Wer arbeiten muss, mehrere Tiere versorgt oder weit von einer Klinik entfernt lebt, steht vor anderen Voraussetzungen als jemand mit kurzen Wegen und finanziellen Reserven. Solche Grenzen betreffen Hund und Katze gleichermaßen. Bei einer Katze mit ausgeprägter Transportangst können sie besonders schwer wiegen. Schließlich gibt es medizinische Gründe, eine Therapie zu begrenzen. Manche Katzen werden mit einem aggressiven, weit fortgeschrittenen Tumor vorgestellt. Andere haben zusätzliche Erkrankungen, die ihre Behandlung erschweren. Wenn eine Therapie wenig Nutzen erwarten lässt oder erhebliche Belastungen verursachen würde, kann eine weniger intensive Versorgung genau die richtige Entscheidung sein. Das Problem liegt deshalb nicht darin, dass jede Katze möglichst umfangreich behandelt werden müsste. Es liegt dort, wo eine Entscheidung fällt, bevor Tumorart, erreichbares Ziel und tatsächlicher Aufwand verständlich erklärt worden sind. „Das kann man einer Katze nicht zumuten“ ist als pauschales Urteil zu früh. Nach einer sorgfältigen Einschätzung kann derselbe Gedanke dagegen eine gut begründete Grenze beschreiben. Ein onkologisches Gespräch kann helfen, diese Dinge auseinanderzuhalten. Es verpflichtet niemanden zu einer Chemotherapie. Es kann ebenso ergeben, dass eine Operation genügt, eine Behandlung teilweise zu Hause möglich ist oder ein palliativer Weg der Katze am meisten hilft. Gute Beratung braucht dafür auch die ehrliche Rückmeldung der Halter: AAHA zur Kommunikation mit Tierhaltern


3. Wie Krebs bei Katzen behandelt werden kann

Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten sind auch bei Katzen Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Dazu kommt die unterstützende Versorgung gegen Beschwerden. Welche Kombination sinnvoll ist, ergibt sich aus der Diagnose.


Katze auf der Treppe zwischen dem Geländer

  • Bei einem kleinzelligen Darmlymphom werden häufig Prednisolon und das Chemotherapeutikum Chlorambucil eingesetzt. Die Medikamente können vielfach zu Hause gegeben werden. Regelmäßige Kontrollen bleiben nötig, unter anderem um mögliche Auswirkungen auf die Blutzellen zu erkennen. Bei gutem Ansprechen kann die Erkrankung über längere Zeit kontrolliert werden, bei manchen Katzen über Jahre.

  • Bei aggressiveren Lymphomen kommen häufig Kombinationen verschiedener Medikamente infrage. Dafür sind meist wiederkehrende Praxis- oder Kliniktermine nötig. Das Ziel ist oft eine Remission: Die Erkrankung wird deutlich zurückgedrängt, und die Beschwerden bessern sich. Ein örtlich begrenztes Nasenlymphom kann wiederum eine andere Behandlung benötigen; hier kann Bestrahlung eine wichtige Rolle spielen. Cornell zu Behandlung und Verlauf von Lymphomen

  • Bei Milchdrüsenkrebs steht, soweit sinnvoll möglich, die Operation im Vordergrund. Wegen des Tumorverhaltens wird häufig eine ganze Milchleiste entfernt, gegebenenfalls werden beide Seiten zeitlich versetzt operiert. Vorher wird geprüft, ob Hinweise auf eine Ausbreitung bestehen.

  • Bei einem Plattenepithelkarzinom können je nach Größe, Tiefe und Ort eine Operation oder andere örtliche Verfahren infrage kommen. Bei einem Plattenepithelkarzinom im Maul ist eine vollständige Entfernung oft wesentlich schwieriger. Eine größere Operation muss auch danach beurteilt werden, ob die Katze anschließend ausreichend fressen kann. Bestrahlung kann in ausgewählten Fällen eingesetzt werden, führt bei weit fortgeschrittener Erkrankung aber häufig nicht zu einer dauerhaften Kontrolle. Hier muss besonders ehrlich über erreichbaren Nutzen gesprochen werden. AAHA zu den Behandlungsmöglichkeiten häufiger Katzentumoren

  • Bei Weichteilsarkomen, insbesondere Injektionsstellen-Sarkomen, ist eine ausreichend weite erste Operation besonders wichtig. Manchmal ist der Eingriff erheblich umfangreicher, als der äußerlich sichtbare Knoten vermuten lässt. Bildgebung kann die Planung unterstützen. Je nach Befund wird eine Bestrahlung vor oder nach der Operation erwogen; auch Chemotherapie kann Teil des Plans sein. Trotzdem besteht ein Risiko, dass der Tumor örtlich zurückkehrt. North Carolina State University zur Sarkombehandlung

  • Bei Mastzelltumoren ist die operative Entfernung häufig die wichtigste Behandlung. Bei einer Erkrankung der Milz kann eine Milzentfernung sinnvoll sein. Für weitere Behandlungen zählen die genaue Tumorform, die beteiligten Organe und der Gesundheitszustand. VCA zu Behandlung und Prognose von Mastzelltumoren

Zur Behandlung gehört außerdem, Beschwerden rechtzeitig zu erkennen. Eine Katze, die nicht frisst, sich zurückzieht oder Unwohlsein zeigt, braucht eine Abklärung: Hat sie Schmerzen, ist ihr übel, stört ein Tumor mechanisch oder liegt ein anderes Problem vor? Schmerztherapie, Hilfe gegen Übelkeit und Unterstützung der Ernährung können wesentlich dafür sein, dass sie sich besser fühlt. Auch eine palliative Behandlung ist deshalb eine aktive, medizinische Aufgabe. Sie soll Leiden lindern und den Alltag der Katze möglichst erhalten. Dazu braucht es einen Plan, Kontrollen und klare Absprachen für eine Verschlechterung. Ob eine Behandlung der Katze hilft, zeigt sich schließlich nicht allein daran, ob ein Tumor kleiner wird. Frisst sie wieder freiwillig? Kann sie bequem schlafen? Bewegt sie sich ausreichend und nimmt sie noch an ihrem vertrauten Alltag teil? Solche Beobachtungen gehören zusammen mit den medizinischen Befunden in die Verlaufskontrolle. Katzen brauchen keine pauschale Zusage, dass eine Behandlung immer sinnvoll sei. Sie brauchen eine faire Prüfung ihrer Möglichkeiten. Bei manchen Tumoren kann viel erreicht werden, bei anderen bleiben enge Grenzen. Unsere Onkologin behandelt auch Katzen und kann diese Unterschiede gerne erläutern. Wer sich beraten lässt, entscheidet damit noch nicht über eine Therapie. Er schafft die Grundlage dafür, eine informierte Entscheidung für sein Tier zu treffen.


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