Veterinärmedizinische Mikrowellenablation

Bei der Behandlung von Tumoren geht es darum, den Krebsherd gezielt zu kontrollieren und gesundes Gewebe möglichst wenig zu belasten. Neben Operation, Bestrahlung und medikamentöser Therapie gibt es dafür auch lokale Verfahren, die Tumorgewebe direkt am Ort des Geschehens zerstören. Eines davon ist die Mikrowellenablation (MWA). Eine dünne Sonde wird in oder nahe an den Tumor geführt. Unter Bildkontrolle gibt sie Energie ab, die das Gewebe erhitzt und Tumorzellen zerstört. Beim Hund wurde das Verfahren bisher nur bei ausgewählten Tumoren und in kleinen Fallserien untersucht. [1–6]
Was passiert bei einer Mikrowellenablation?
Die Sonde überträgt nicht-ionisierende elektromagnetische Energie in das Tumorgewebe. Die Energie setzt vor allem Wassermoleküle im Gewebe in Bewegung. Dadurch entsteht Wärme. Bei ausreichender Temperatur und Einwirkzeit werden Zellstrukturen und Eiweiße geschädigt; im Zielbereich entsteht eine Zone abgestorbenen, geronnen oder verklumpten Gewebes. Der Tumor wird dabei nicht wie bei einer Operation herausgeschnitten, sondern im Körper zerstört. [1] Bildgebung ist für die Planung und Durchführung zentral: Ultraschall, CT oder laparoskopischer Ultraschall helfen, Tumor, Zugang und benachbarte Strukturen zu beurteilen und die Sonde zu platzieren. Je nach Lage kann der Zugang durch die Haut, laparoskopisch oder während einer offenen Operation erfolgen. [1, 7, 8]
So läuft das Verfahren grundsätzlich ab:
1. Tumor und Zugang werden geplant. Das onkologische Team beurteilt anhand der Bildgebung die Größe und Lage des Tumors, seine Beziehung zu Gefäßen und Organen sowie einen möglichen Sondenweg. Diagnose und Ausbreitung der Erkrankung müssen ebenfalls geklärt werden.
2. Die Sonde wird platziert. Unter Ultraschall-, CT- oder direkter Sichtkontrolle wird die Antenne in den vorgesehenen Bereich geführt. Der genaue Zugang hängt vom Tumor und der Anatomie ab.
3. Die Mikrowellen erzeugen Wärme. Energie wird in den Tumor abgegeben. Je nach Größe und Form können mehrere überlappende Behandlungszonen erforderlich sein.
4. Das Ergebnis wird kontrolliert. Bildgebung nach dem Eingriff und bei späteren Nachkontrollen soll zeigen, ob der Zielbereich ausreichend behandelt wurde und ob Komplikationen oder erneutes Wachstum erkennbar sind. [1–3]

Bei welchen Tumoren wurde Mikrowellenablation bei Hunden eingesetzt?
Die veröffentlichten Erfahrungen betreffen bislang einige wenige Tumorarten. Die Fallzahlen sind daher leider noch klein; technische Durchführbarkeit ist dabei nicht gleichbedeutend mit einem bewiesenen Überlebensvorteil.
Lebertumore
Zu Mikrowellenablationen an der Leber gibt es bisher mehr tiermedizinische Berichte als zu anderen Organen. In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2017 wurden fünf Hunde mit Lebertumoren beschrieben. Bei allen war die Erkrankung so weit in der Leber verteilt, dass sich die Tumoren nicht vollständig operativ entfernen ließen. Während einer offenen Bauchoperation wurden Tumorstellen mit einem Durchmesser von 0,5 bis 2,5 Zentimetern behandelt. Komplikationen wurden nicht berichtet. Die Autoren hielten die Methode bei sorgfältig ausgewählten Hunden mit nicht operierbaren Lebertumoren für durchführbar und möglicherweise als ergänzende Behandlung sinnvoll. Eine weitere Fallserie beschrieb vier Hunde: Drei hatten einen ursprünglich in der Leber entstandenen Tumor, bei einem Hund war der Tumor in die Leber gestreut. Die Mikrowellenablation wurde durch die Haut und unter Ultraschallkontrolle durchgeführt. Die Eingriffe dauerten 10 bis 40 Minuten; unmittelbare Komplikationen wurden nicht festgestellt. Die Hunde wurden zwischen 39 und 649 Tage nachbeobachtet. Ein Fallbericht aus dem Jahr 2024 schilderte die Behandlung eines Lebertumors während einer Bauchspiegelung, ebenfalls unter Ultraschallkontrolle. In den CT-Aufnahmen drei und zwölf Monate später war an der behandelten Stelle kein Tumorgewebe mehr erkennbar. Eine andere Veränderung in der Leber wuchs später jedoch weiter und musste operativ entfernt werden. Eine erfolgreiche Behandlung eines einzelnen Tumors verhindert also nicht, dass an anderer Stelle ein weiterer oder bereits vorhandener Tumor wächst. [2, 3]
Nierentumore
Bei drei Hunden wurden Tumoren durch die Haut hindurch behandelt. Zwei befanden sich in der Niere, der dritte im Gewebe hinter der Bauchhöhle, nahe am Zwerchfell. Die Eingriffe wurden mit Ultraschall und CT gesteuert. Die Tumoren waren zwischen 1,4 und 2,5 Zentimeter groß. Während der Behandlung und danach traten keine schwerwiegenden Komplikationen auf. Kontrollaufnahmen zeigten, dass die Tumoren am Behandlungsort erfolgreich behandelt worden waren.
Lungenmetastasen (bei Osteosarkom)
Eine kleine Studie beschrieb die Behandlung einzelner Lungenmetastasen bei zwei Hunden mit Osteosarkom der Gliedmaßen. Bei einem Hund trat ein Pneumothorax auf, der behandelt werden musste. Ein Pneumothorax entsteht, wenn Luft in den schmalen Spalt zwischen Lunge und Brustwand gelangt. Dadurch kann sich die Lunge auf der betroffenen Seite teilweise oder ganz zusammenziehen. [4]
Osteosarkome des Knochens
In einer Pilotstudie wurde MWA bei sechs Hunden mit Osteosarkom am distalen Radius untersucht. Der Anteil des abgestorbenen Tumorgewebes lag zwischen 30% und 90%. [5]
Blutende Mammatumoren
Die Mikrowellenablation wurde auch als palliative Methode beschrieben. Bei zwei älteren Hündinnen mit blutenden, ulzerierten Mammatumoren führte die Behandlung unter Lokalanästhesie zu vollständiger Blutstillung und anschließender Vernarbung der Stelle. Dieser Anwendungsfall unterscheidet sich von der kurativen Tumorablation. Das unmittelbare Ziel bestand darin, Blutungen zu stoppen und die Lebensqualität zu verbessern, wenn eine konventionelle Therapie problematisch war. [6]
Welche Risiken und Grenzen hat die Mikrowellenablation?
Die Wärme soll den Tumor zerstören. Sie kann aber auch gesundes Gewebe außerhalb der geplanten Zone schädigen. Je nach Lage kommen Verletzungen von Haut, Gefäßen, Nerven, Gallengängen, Darm oder anderen benachbarten Strukturen infrage. Möglich sind außerdem Blutungen, Infektionen, Schmerzen und Komplikationen durch Narkose oder Zugang. Bei Behandlungen an der Lunge besteht das Risiko eines Pneumothorax; ein solcher wurde in einer kleinen Hundestudie beobachtet und musste in einem Fall behandelt werden. [1, 4] Eine Ablation kann auch unvollständig bleiben. Wenn Tumorzellen am Rand oder in nicht ausreichend erhitzten Bereichen überleben, kann der Tumor lokal weiterwachsen oder wiederkehren. Bildgebende Nachkontrollen sind deshalb wichtig. Wie häufig die einzelnen Komplikationen bei Hunden auftreten, lässt sich aus den derzeitigen kleinen Fallzahlen nicht zuverlässig berechnen. [1–5] MWA behandelt zudem nur den anvisierten Bereich. Sie ist keine systemische Therapie und beseitigt nicht automatisch mikroskopische Tumorzellen oder Metastasen an anderen Stellen. Sie ersetzt daher nicht grundsätzlich Operation, Bestrahlung oder eine medikamentöse Behandlung.
Warum ist die Methode noch wenig verbreitet?
Die veterinärmedizinische Erfahrung ist noch jung und beruht überwiegend auf Fallberichten und kleinen Fallserien. Für viele Tumorarten fehlen größere Vergleichsstudien und belastbare Aussagen zu Langzeiterfolg und Überlebenszeit. Fachübersichten nennen außerdem eine deutliche Lernkurve: Die Temperatur steigt schnell, und die Behandlung muss präzise gesteuert werden. Dafür braucht es passende Bildgebung, spezialisierte technische Ausstattung und ein Team mit Erfahrung in interventioneller Onkologie. [1] Deutschland ist bei dieser spezialisierten Methode offenbar nicht vorne dabei. Bei der aktuellen Recherche fand ich keine deutsche Tierklinik mit öffentlich ausgewiesenem MWA-Angebot für Hunde; das schließt einzelne Behandlungen oder Kooperationen nicht aus. Das Universitäre Tierspital Zürich und AURA Veterinary in Großbritannien führen die Methode auf ihren Seiten ausdrücklich auf. Dass sie hierzulande bislang nicht breit verfügbar ist, dürfte mit der begrenzten Studienlage, dem spezialisierten Ablauf und dem Aufwand für Technik und Erfahrung zusammenhängen. [1, 7, 8]
Kliniken mit Mikrowellenablation für Hunde
Das Universitäre Tierspital Zürich führt MWA als Teil seiner interventionellen Radiologie für Hunde auf. Es nennt ausgewählte Fälle mit mehreren Lebermetastasen als mögliche Anwendung und beschreibt die interventionellen Verfahren überwiegend als palliativ. [7] AURA Veterinary in Großbritannien gibt ebenfalls an, Mikrowellenablation einzusetzen. Laut Klinik kann sie ultraschallgeführt, laparoskopisch oder während einer offenen Operation erfolgen; als mögliche Ziele werden nicht resezierbare Tumoren und die Linderung von Beschwerden genannt. Ob eine Klinik einen konkreten Fall annimmt, muss direkt erfragt werden. [8]
Quellen
Vlaisavljevich E, et al. Tumor ablation in veterinary oncology. Hellenic Journal of Companion Animal Medicine. Überblick zu Wirkprinzip, Bildsteuerung und Grenzen der Ablation. https://hjcam.hcavs.gr/en/contents/57-volume11-issue2/394-tumor-ablation-in-veterinary-oncology-en-v11i2
Yang T, et al. Microwave ablation for treatment of hepatic neoplasia in five dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association. 2017;250(1):79–85. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28001112/
Locatelli A, et al. Percutaneous ultrasound-guided microwave ablation for treatment of hepatocellular carcinomas in dogs: four cases (2019–2020). Journal of Small Animal Practice. 2022;63(12):897–903. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36000486/
Dornbusch JA, et al. Percutaneous microwave ablation of solitary presumptive pulmonary metastases in two dogs with appendicular osteosarcoma. Veterinary Surgery. 2020;49(6):1174–1182. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32521058/
Salyer SA, et al. Evaluation of microwave ablation for local treatment of dogs with distal radial osteosarcoma: A pilot study. Veterinary Surgery. 2020;49(7):1396–1405. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32697356/
Kawamura Y, et al. Microwave ablation for the control of bleeding from disintegrated mammary tumours in two dogs. Veterinary Medicine and Science. 2023;9(3):1062–1068. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36745474/
Universitäres Tierspital Zürich. Interventionelle Radiologie. https://www.tierspital.uzh.ch/kleintiere/kleintierchirurgie/weichteil-tumorchirurgie/interventionelle-radiologie/
AURA Veterinary. Interventional Oncology. https://www.auravet.com/aura-services/interventional-oncology/


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