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Alles Lymphom - oder was? Die Angst zwischen Verdacht und Fakten

Aktualisiert: 21. Mai

Kleiner Hund, liegend mit rosaner Krone auf dem Kopf
Der Verdacht "Lymphom" ist schnell ausgesprochen. Doch was folgt danach? Jetzt gilt es, vom Vermuten zum Wissen zu kommen

Die meisten erinnern sich genau: Streichelmodus auf dem Sofa – und da ist dieses Ding. Eine kleine, feste Schwellung am Hals, eine Verdickung hinter dem Knie. Vielleicht wirkt der Hund in den letzten Wochen etwas ruhiger, frisst schlechter oder hat Magen-Darm. Beim Tierarzt fällt dann ein Begriff, der sofort große Angst auslöst: Lymphom. In diesem Moment schaltet man auf Notlaufmodus, aber genau jetzt ist Besonnenheit das wichtigste.


Erstmal tief durchatmen: Warum Panik kein guter Ratgeber ist

Denn ein dicker Lymphknoten ist erst mal nur ein Indiz. Leider erleben wir immer wieder, dass vorschnell der Verdacht auf ein Lymphom geäußert wird, noch bevor weitere Untersuchungen stattgefunden haben. Eine solche Aussage „auf Sicht“ ist nicht nur eine enorme emotionale Belastung für Halter:innen, sondern birgt auch eine medizinische Gefahr: Sie führt mitunter auf eine falsche Fährte. Erst wenn die Pathologie die Karten auf den Tisch legt und die Zellen unter dem Mikroskop Farbe bekennen, weiß man, ob es sich tatsächlich um ein Lymphom handelt – oder um falschen Alarm. Denn Lymphknoten sind die Wächter des Immunsystems. Sie reagieren auf vieles – z.B. auf Infektionen, chronische Entzündungen oder eben auch auf unterschiedliche Tumorarten. Wer zu früh auf eine Vermutung setzt, verliert wertvolle Zeit für die Suche nach der tatsächlichen Ursache. Deshalb: Lass dich nicht verunsichern, sondern bestehe auf einer schrittweisen, fundierten Diagnostik. Nur so gewinnst du Klarheit und stellst sicher, dass du nicht gegen einen Gegner kämpft, der vielleicht gar nicht da ist.


  1. Lymphknoten, Lymphozyten und Lymphom

Um zu verstehen, was bei einem Lymphom im Körper passiert, lohnt sich ein kurzer Ausflug ins Lymphsystem. Das Immunsystem des hündischen Körpers besteht aus einem komplexen Netzwerk aus Zellen, Geweben und Organen, die gemeinsam Krankheitserreger erkennen und bekämpfen. Ein zentraler Bestandteil dieses Systems sind die Lymphknoten. Die kleinen, bohnenförmigen Organe liegen entlang der Lymphgefäße im gesamten Körper verteilt. Sie funktionieren wie Filterstationen des Immunsystems. In ihnen werden Krankheitserreger, Zellreste und andere Fremdstrukturen abgefangen und den Abwehrzellen präsentiert. Zu diesen Abwehrzellen gehören die Lymphozyten. Dabei handelt es sich um eine spezielle Gruppe weißer Blutkörperchen, die im Blut, in der Lymphe und in verschiedenen Organen zirkulieren. Ihre Aufgabe besteht darin, Infektionen zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Innerhalb dieser Zellgruppe gibt es wiederum unterschiedliche Untertypen, vor allem B-Lymphozyten und T-Lymphozyten, die jeweils spezialisierte Funktionen in der Immunabwehr übernehmen. Ein Lymphom entsteht, wenn sich einzelne dieser Lymphozyten genetisch verändern. Die betroffenen Zellen beginnen sich unkontrolliert zu vermehren und verlieren die Fähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt wieder abzusterben. Aus einer einzelnen entarteten Zelle kann so eine wachsende Population von Tumorzellen entstehen. Umgangssprachlich werden all diese Begriffe häufig vermischt, weil sie eng miteinander verbunden sind. Wenn Lymphknoten plötzlich deutlich vergrößert sind, wird schnell von „Lymphdrüsenkrebs“ gesprochen. Tatsächlich reagieren Lymphknoten jedoch auf viele verschiedene Reize des Immunsystems. Erst wenn sich in den Lymphknoten entartete Lymphozyten ansammeln, spricht man tatsächlich von einem Lymphom.


  1. Was die Diagnose Lymphom beim Hund bedeutet

Wie wir gerade gesehen haben, sind bei einer Entartung Zellen des Immunsystems betroffen, die im gesamten Körper vorkommen. Deshalb handelt es sich beim Lymphom meist nicht um einen lokal begrenzten "Tumor," sondern um eine Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann. Die veränderten Lymphozyten sammeln sich besonders häufig in Lymphknoten, können aber auch Milz, Leber, Knochenmark, Darm oder Haut infiltrieren. Wenn man sich das Lymphsystem als ein Netzwerk aus Abwehrstationen vorstellt, das normalerweise Infektionen erkennt und Immunreaktionen auslöst, dann wird dieses System plötzlich selbst zum Ursprung der Erkrankung. Die entarteten Zellen verdrängen nach und nach gesunde Immunzellen und können dadurch Organfunktionen beeinträchtigen. Die ersten Anzeichen bleiben oft unspezifisch. Viele Hunde zeigen zunächst nur Veränderungen im Allgemeinbefinden. Dazu gehören Müdigkeit, verminderter Appetit, Gewichtsverlust oder vermehrter Durst. Manche Tiere wirken lange nahezu unauffällig, während sich unter der Haut bereits deutlich vergrößerte Lymphknoten tasten lassen – typischerweise im Halsbereich, vor den Schultern oder hinter den Knien. Je nach Form der Erkrankung können auch andere Symptome auftreten, etwa Durchfall, Erbrechen, Atemprobleme oder Hautveränderungen.


  1. B-Zell- und T-Zell-Lymphome – Unterschied mit Folgen

Lymphome entstehen aus unterschiedlichen Untergruppen von Lymphozyten. Besonders zentral ist die Unterscheidung zwischen B-Zellen und T-Zellen. B-Zellen sind im gesunden Immunsystem vor allem für die Produktion von Antikörpern verantwortlich. T-Zellen übernehmen eher regulierende Aufgaben innerhalb der Immunabwehr und erkennen veränderte oder infizierte Zellen. Wenn sich aus diesen Zelltypen ein malignes Lymphom entwickelt, unterscheidet sich das biologische Verhalten deutlich. B-Zell-Lymphome sprechen im Durchschnitt besser auf medikamentöse Therapien an und erreichen häufig längere Remissionszeiten. T-Zell-Lymphome können dagegen schneller fortschreiten oder schwieriger zu kontrollieren sein. Zusätzlich spielt der Grad der Erkrankung eine Rolle. Hochgradige Lymphome wachsen meist rasch, reagieren aber häufig deutlich auf eine konsequente Therapie. Niedriggradige Formen entwickeln sich langsamer und können über längere Zeit relativ stabil bleiben. Aus Zelltyp, Tumorgrad und Krankheitsstadium ergibt sich ein individuelles Krankheitsprofil, das für jede Therapieentscheidung berücksichtigt werden sollte.


Retriever seitlich aufgenommen, sitzend in der Abendsonne im Schnee

  1. Der Weg zur gesicherten Diagnose

Eine sichere Diagnose entsteht nicht allein durch das Abtasten der Lymphknoten. Entscheidend ist die Untersuchung von Zellen oder Gewebe aus dem betroffenen Bereich. In vielen Fällen beginnt die Abklärung mit einer Feinnadelaspiration. Diese Untersuchung liefert häufig bereits wichtige Hinweise darauf, ob eine entzündliche oder eine tumoröse Veränderung vorliegt. Reicht diese erste Untersuchung nicht aus oder soll die Erkrankung genauer charakterisiert werden, folgen weitere Schritte. Dazu gehört eine Gewebeprobe eines Lymphknotens, die Biopsie. Ergänzend können spezielle immunologische Färbungen durchgeführt werden, mit denen sich bestimmte Zelloberflächenmerkmale sichtbar machen lassen. Moderne Labormethoden wie die Durchflusszytometrie ermöglichen eine sehr genaue Analyse der Zelltypen. Molekulare Tests wie der PARR-Test können klonale Zellpopulationen nachweisen, die typisch für Lymphome sind. Auch Blutuntersuchungen, Organprofile und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen gehören häufig dazu. Diese dienen nicht nur der Bestätigung der Diagnose, sondern auch der sogenannten Stadieneinteilung, dem Staging. Dabei wird beurteilt, welche Organe betroffen sind und wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat.


  1. Chemotherapie beim Hund – wie die Behandlung abläuft

Da es sich beim Lymphom um eine systemische Erkrankung handelt, reicht eine lokale Therapie - etwa die Operation einzelner Lymphknoten - meist nicht aus. Die Standardbehandlung besteht daher aus einer Kombination mehrerer Medikamente, die gezielt gegen schnell teilende Zellen wirken. In der tierärztlichen Onkologie werden dafür seit vielen Jahren etablierte Chemotherapieprotokolle eingesetzt. Ziel dieser Behandlungen ist es meist, eine Remission zu erreichen – also eine Phase, in der die vergrößerten Lymphknoten zurückgehen und die Erkrankung vorübergehend nicht mehr nachweisbar ist. Am häufigsten wird ein sogenanntes Mehrkomponenten-Protokoll eingesetzt; besonders verbreitet ist das CHOP-Protokoll. Der Name steht für die Anfangsbuchstaben der verwendeten Wirkstoffe:

  • C – Cyclophosphamid, ein sogenanntes Alkylanz, das die DNA der Tumorzellen schädigt und ihre Teilung verhindert

  • H – Hydroxydaunorubicin (Doxorubicin), ein Wirkstoff, der direkt in den Zellkern eingreift und die Vermehrung schnell wachsender Tumorzellen blockiert

  • O – Oncovin (Vincristin), ein Medikament, das die Zellteilung stört, indem es die Bildung der Spindelfasern während der Mitose hemmt

  • P – Prednisolon, ein Kortikosteroid, das entzündungshemmend wirkt und zusätzlich eine direkte Wirkung auf bestimmte Lymphomzellen haben kann


Graphik zum Ablauf eine Chemotherapie

Die Kombination dieser Medikamente hat sich bewährt, weil sie an unterschiedlichen Punkten des Zellteilungsprozesses ansetzt. Die Wirkstoffe werden daher nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd in festgelegten Zeitabständen verabreicht. Die Behandlung erstreckt sich meist über mehrere Monate. Einige Medikamente werden als Infusion oder Injektion in der Praxis gegeben, andere zeitweise als Tabletten zu Hause verabreicht. Neben dem klassischen Schema gibt es auch verkürzte oder vereinfachte Protokolle, die in bestimmten Situationen eingesetzt werden. Ein Beispiel ist ein Doxorubicin-basiertes Protokoll, bei dem das Medikament in mehrwöchigen Abständen gegeben wird. Diese Variante wird gewählt, wenn eine vollständige Kombinationstherapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Eine weitere Option ist die Behandlung mit Einzelwirkstoffen, etwa mit Lomustin (CCNU) oder Prednisolon. Solche reduzierten Therapieformen kommen häufig zum Einsatz, wenn Begleiterkrankungen vorliegen, der Hund sehr alt ist oder eine weniger intensive Behandlung angestrebt wird. Die Wirkung auf den Tumor ist dabei meist begrenzter als bei einer Kombinationstherapie, kann aber dennoch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Unabhängig vom gewählten Protokoll sind regelmäßige Kontrollen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Blutuntersuchungen helfen dabei, mögliche Veränderungen im Blutbild frühzeitig zu erkennen und die Therapie gegebenenfalls anzupassen. Viele Hunde erreichen unter einer solchen Behandlung eine Remission, bei der die sichtbaren oder tastbaren Zeichen der Erkrankung vorübergehend verschwinden.

Erfolgsaussichten einer Chemotherapie

Die Erfolgschancen hängen stark vom Zelltyp und vom Krankheitsstadium ab. Bei vielen B-Zell-Lymphomen erreichen moderne Kombinationstherapien Remissionsraten von etwa 80–90 %. Die durchschnittliche Dauer der Remission liegt häufig bei 10–14 Monaten, einzelne Hunde bleiben deutlich länger tumorfrei. Bei T-Zell-Lymphomen sind die Ansprechraten im Durchschnitt geringer und die Remissionsdauer oft kürzer.


  1. Wenn eine intensive Therapie nicht der richtige Weg ist

Nicht jeder Hund ist ein geeigneter Kandidat für eine umfassende Chemotherapie und Medikation. Hohes Alter, Begleiterkrankungen oder auch die persönliche Lebenssituation der Familie können bei der Entscheidung eine Rolle spielen. In solchen Fällen kommen weniger intensive Therapieansätze in Betracht und eine palliative Begleitung tritt in den Vordergrund.


Welpe in den Bergen rennend im Schnee

Dabei wird bewusst auf tumorreduzierende Maßnahmen verzichtet. Stattdessen konzentriert sich die Behandlung auf die Kontrolle von Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit oder Verdauungsproblemen sowie auf die Stabilisierung von Appetit und Allgemeinbefinden. Auch Anpassungen im Alltag, etwa bei Bewegung oder Belastung, können Teil dieser Betreuung sein. Palliative Betreuung bedeutet dabei nicht, dass nichts mehr getan wird. Der Fokus verschiebt sich lediglich: weg von maximaler Tumorbekämpfung hin zu einer möglichst stabilen Lebensqualität. Ergänzend bietet hier die Naturheilkunde substanzielle Werkzeuge, um die Zellfunktion und Entgiftungsorgane gezielt zu stützen. Der Einsatz von Vitalpilzen zur Immunmodulation, hochdosierten Antioxidantien zur Reduktion von oxidativem Stress sowie Phytotherapeutika zur Unterstützung ausleitender Organe sind bewährte Strategien. Auch eine gezielte Mykotherapie oder der Einsatz von Omega-3-Fettsäuren in therapeutischen Dosen können Entzündungsprozesse im Körper dämpfen und so direkt zum Erhalt der Vitalität beitragen, ohne den Organismus zu belasten.


Vom Verdacht zur Gewissheit

Ein verdickter Lymphknoten ist zunächst nur ein Signal des Körpers, dass sein Immunsystem auf Hochtouren arbeitet – er ist kein festgeschriebenes Schicksal auf eine Krebserkrankung. Bevor weitreichende Entscheidungen getroffen werden können, müssen Fakten auf den Tisch. Bestehe auf einer sauberen Pathologie, denn nur eine gesicherte Diagnose gibt dir die Freiheit, den Weg zu wählen, der wirklich zu deinem Hund und eurer Lebenssituation passt. Ob es Entwarnung gibt, ob du dich für eine medizinische Therapie oder eine palliative Begleitung entscheidest: Deine Wahl sollte auf Gewissheit basieren, nicht auf Angst.


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Ausgewählte tiermedizinische Studien zum Lymphom beim Hund


  1. Zandvliet M. Canine lymphoma: a review. Veterinary Quarterly. 2016;36(2):76–104. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01652176.2016.1152633[tandfonline]​

  2. Wolfesberger B et al. Efficacy and tolerability of a 12-week combination chemotherapy followed by lomustine consolidation treatment in canine B- and T-cell lymphoma. BMC Veterinary Research. 2022;18:444. https://ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9743771/[ncbi.nlm.nih]​

  3. Marconato L et al. Canine multicentric lymphoma: diagnostic, treatment, and prognostic considerations. Animals (Basel). 2025. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11816192/[pmc.ncbi.nlm.nih]​

  4. Dobson JM et al. Review of canine lymphoma treated with chemotherapy—outcomes and prognostic factors. Animals (Basel). 2023;13(10):1654. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10224423/[pmc.ncbi.nlm.nih]​

  5. Selmic LE et al. Long‐term remission and survival in dogs with high‐grade B cell lymphoma treated with chemotherapy with or without sequential low‐dose rate half‐body irradiation. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2022;36(3):1013-1021. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jvim.16840[onlinelibrary.wiley]​

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