Wie Krebs bei Hunden entsteht und weshalb ein systemischer Therapieansatz sinnvoll ist, Teil I.
- Leni (Admin)
- 11. Jan.
- 6 Min. Lesezeit

Krebs bei Hunden - eine systemische Erkrankung
Krebs entsteht auch bei Hunden nicht "plötzlich", sondern ist das Ergebnis eines längeren, vielschichtigen und komplexen Prozesses. Krebs betrifft nicht nur die Stelle, an der sich ein Tumor bildet, sondern den Organismus als Ganzes. Denn schon lange bevor sich ein solider Tumor oder eine unkontrollierte Vermehrung von Blutzellen (wie bei Leukämie) zeigt, laufen stille Prozesse im Organismus ab: Stoffwechselstörungen, chronische Entzündungen, hormonelle Dysbalancen oder eine Überlastung der Entgiftungsorgane. Diese schleichenden Veränderungen können das zelluläre Gleichgewicht, die Fähigkeit zur Regeneration und die Abwehrfunktion des Immunsystems beeinträchtigen. Denn kommt es in diesen Regelkreisen zu einer Dysregulation, geraten Zellen zunehmend unter Stress: Stoffwechselprodukte werden nicht mehr optimal abgebaut, Sauerstoffversorgung und Nährstoffbalance verändern sich und Entzündungsbotenstoffe bleiben dauerhaft aktiv. Die anhaltenden Belastungen erhöhen das Risiko, dass es in den Zellen zu Fehlern bei der DNA-Reparatur und -Teilung kommt. Die Veränderungen können sich über die Zeit zu Mutationen verdichten, welche die natürliche Kontrolle über das Zellwachstum außer Kraft setzen – und damit die Grundlage für die Entstehung von Krebs schaffen. Aus diesen Gründen gilt ein Tumor quasi "nur" als sichtbarer Ausdruck eines tieferliegenden Ungleichgewichts und eine ganzheitliche Betrachtung wird entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Therapie.
Risikofaktoren für Hundekrebs
Wie beim Menschen steigt auch bei Hunden das Risiko für Krebserkrankungen mit zunehmendem Alter. Der Organismus durchläuft dabei vielfältige physiologische und biologische Veränderungen – etwa im Stoffwechsel, in Geweben, Organen und Zellen. Ein Bericht des National Cancer Institute (2019) zeigte, dass bei Hunden über zehn Jahren das Krebsrisiko bei bis zu 50 % liegen kann.
Neben dem Alter spielen hormonelle Störungen sowie rassebedingte und genetische Prädispositionen eine wichtige Rolle.
Ein schwerwiegender Faktor ist Kontakt mit Schadstoffen wie Pestiziden, Industriechemikalien und anderen krebserregenden Substanzen. Diese sogenannten Kanzerogene (auch Karzinogene) können Erkrankungen direkt hervorrufen oder begünstigen, indem sie das Erbgut (DNA) schädigen und Zellmutationen auslösen. Dazu zählen etwa Asbest, Benzpyren, Formaldehyd, ionisierende Strahlung sowie bestimmte Viren.
Auch häufige oder langfristige medizinische Maßnahmen können für den Organismus eine zusätzliche Belastung darstellen. Dazu zählen insbesondere Dauertherapien mit Medikamenten wie Antibiotika oder Kortikosteroiden, die das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora beeinträchtigen und die Leber als zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan verstärkt beanspruchen können. Ebenso ist bekannt, dass Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAIDs, bestimmte Chemotherapeutika sowie regelmäßig angewendete chemische Antiparasitika - z. B. Spot-ons oder chemische Wurmkuren in kurzen Abständen - den Magen-Darm-Trakt und die ausleitenden Organe zusätzlich belasten können.
(*diese Hinweise stellen notwendige, tierärztlichen Behandlungen nicht in Frage. Ziel ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Körper unter intensiven oder langanhaltenden Therapien erhöhte Anforderungen an seine Regulations- und Entgiftungsprozesse hat)
Die Ernährung hat ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf das Krebsrisiko. Eine unausgewogene Fütterung, insbesondere mit hohem Anteil an minderwertigen, stark verarbeiteten Inhaltsstoffen oder Zucker kann Übergewicht und Entzündungen fördern und die Zellgesundheit beeinträchtigen. Das wiederum belastet wichtige Entgiftungsorgane sowie das Säure-Basen-Gleichgewicht ( Deutsche Gesellschaft für Tierernährung e.V. ).
Ein geschwächtes, überlastetes oder fehlgeleitetes Immunsystem erschwert es dem Körper, entartete Zellen rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen.
Nicht zuletzt kann anhaltender Stress – etwa durch Überforderung, Vernachlässigung oder ein nicht artgerechtes Umfeld – die Entstehung von Krankheiten fördern, da der Organismus dauerhaft unter Anspannung steht. (Thieme Tiermedizin: "Stresssituationen beim Hund erkennen, meistern und vorbeugen")
Veterinärmedizinische Tumorbehandlungen und innovative Methoden
In der modernen Tiermedizin zählen die chirurgische Tumorentfernung, Chemotherapie und Strahlentherapie nach wie vor zu den zentralen Standardbehandlungen. Dennoch entwickeln sich auch innovative Therapieansätze rapide weiter: Immuntherapien, zielgerichtete molekulare Behandlungen und neue bildgebende Technologien eröffnen zunehmend wirksame und teils schonendere Perspektiven für tierische Patienten. Diese Entwicklungen spiegeln den Trend hin zu individualisierter, systemischer und biomarkerbasierter Krebstherapie wider – ein Prinzip, das zunehmend auch in der Humanonkologie Maßstäbe setzt.
Immuntherapie
Ein zukunftsweisender Ansatz in der Veterinäronkologie ist die Immuntherapie, bei der das körpereigene Immunsystem gezielt stimuliert wird, um Tumorzellen zu bekämpfen. Besonders bei oralen Melanomen des Hundes wurden bereits klinische Erfolge erzielt. Eine 2023 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte Untersuchung zeigte, dass die Immuntherapie mit spezifischen Antikörpern - z. B. dem Gentherapie-basierten Impfstoff Oncept® - das Überleben erkrankter Hunde signifikant verlängern kann. Diese Vakzine nutzt rekombinantes DNA-Material zur Erzeugung einer Immunantwort gegen Tyrosinase, ein Enzym, das in Melanomzellen überexprimiert wird.
Weitere Forschungsarbeiten befassen sich damit, Immuntherapie-Kombinationen (z. B. mit Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1-Antikörpern) in tiermedizinische Modelle zu übertragen - ein Gebiet mit großem Potenzial für die personalisierte Tieronkologie.
Zielgerichtete Therapie (Targeted Therapy)
Während die Chemotherapie unspezifisch alle sich schnell teilenden Zellen angreift, wirken zielgerichtete Therapien selektiv gegen molekulare Strukturen, die nur in Tumorzellen vorkommen. Diese Präzisionsansätze reduzieren Nebenwirkungen und verbessern die Wirksamkeit. Ein Beispiel ist der Tyrosinkinaseinhibitor Toceranib (Handelsname: Palladia®), der insbesondere bei Mastzelltumoren des Hundes eingesetzt wird. Toceranib blockiert gezielt c-KIT, einen Rezeptor, der bei vielen Tumoren überaktiv ist. Studien zeigen, dass diese Therapie bei einem relevanten Anteil der Patienten zu Stabilisierung oder Rückbildung führt (Lavetty et al., Clin Cancer Res, 2008). Auch Masitinib (Masivet®) weist ähnliche Wirkmechanismen auf (Hahn et al., J Vet Intern Med, 2008).
Lokale Therapien: Stelfonta bei Mastzelltumoren
Ein weiterer Fortschritt in der Behandlung von Mastzelltumoren ist das Medikament Stelfonta® (Wirkstoff: Tigilanol tiglate). Es wird direkt in den Tumor injiziert und löst eine entzündliche Reaktion aus, welche die Blutversorgung des Tumors unterbricht. Dadurch sterben die Tumorzellen ab, während umliegendes Gewebe weitgehend geschont bleibt. Klinische Studien zeigen hohe Ansprechraten und eine vollständige Tumorauflösung bei einem erheblichen Anteil behandelter Tiere (De Ridder et al., Vet Comp Oncol, 2021).
Therapien mit Kälte, Wärme, Strom und Licht
Auch was wie Science-Fiction wirkt, ist längst moderne Tiermedizin – wie wir es kürzlich in unserem Blogartikel „Innovative Krebstherapien für Hunde“ ausführlich gezeigt haben. Diese neuen Verfahren bekämpfen Tumore präzise und gewebeschonend: Hyperthermie zerstört Krebszellen durch gezielte Überhitzung oder macht sie anfälliger für Chemo/Strahlentherapie. Kryotherapie eist kleine Hauttumore blitzschnell ein. Elektrochemotherapie transportiert Medikamente mit elektrischem Puls direkt in die Tumorzellen – oft mit bis zu 80 % Erfolg. Besonders beeindruckend: Gold-Nanopartikel, die sich im Krebsgewebe ansammeln und per Laser punktgenau erhitzt werden, um gesundes Gewebe zu schonen. Diese Methoden bieten vielen erkrankten Tieren echte Hoffnung, vor allem wenn Standardtherapien versagen.

Fortschritte in Operation und Bildgebung
Auch in der Chirurgie entstehen laufend Neuerungen. Eine Studie am Tierspital Zürich fokussiert sich z.B. auf Fluoreszenz-geführte Operationstechniken, bei denen Tumorgewebe mittels spezieller Farbstoffe intraoperativ sichtbar gemacht wird. Am Tierspital wird untersucht, wie sich diese Technik bei Weichteilsarkomen einsetzen lässt, deren Ränder häufig infiltrativ wachsen und schwer zu erkennen sind. Erste Studien zeigen, dass Fluoreszenzfarbstoffe tumorinfiltrierte Ränder deutlich kontrastieren können. In 92% der Fälle konnte eine vollständige Entfernung erreicht werden. Bei etwa 30% der Hunde wurde durch den Farbstoff ein Tumor entfernt, der sonst übersehen worden wäre. Ein Fortschritt, der langfristig die lokale Tumorkontrolle und Prognose verbessern könnte (Referenz: Tenhumberg et al., Vet Comp Oncol, 2022).
Systemischer Therapieansatz für Krebsbehandlungen bei Hunden
Die Erfahrungen unserer Plattform zeigen, dass eine nachhaltige Krebsbehandlung bei Hunden nur dann wirkungsvoll sein kann, wenn sie über die reine Tumorbekämpfung hinausgeht. Denn was systemisch entsteht, kann auch nur systemisch geheilt werden. In der praktischen Umsetzung hat sich ein kooperatives Vorgehen zwischen Tierärzt:innen und Tierheilpraktiker:innen (THP) bewährt. Spezialisierte Tierärzte übernehmen die diagnostische Abklärung sowie die Planung und Durchführung der klassischen, onkologischen Maßnahmen wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung. Parallel dazu kann ein erfahrener Tierheilpraktiker ein individuelles, komplementäres Therapiekonzept entwickeln, das auf die Stabilisierung des gesamten Organismus abzielt. Dazu gehören unter anderem der Einsatz von bewährten Substanzen aus der Phytotherapie, der Einsatz von Vitalpilzen, TCM-Konzepten oder Mistelpräparaten, aber auch eine angepasste Ernährung, der Darmaufbau und Unterstützung der Organe. Ziel ist es, Immunsystem und Stoffwechsel zu regulieren, Entzündungsprozesse zu reduzieren und die Belastungen der Therapien abzumildern. Wesentlich ist dabei eine enge Abstimmung zwischen Tierarztpraxis und THP: Befunde, Verlaufsparameter und Laborwerte sollten regelmäßig ausgetauscht werden, um Dosierungen und Mittel laufend zu überprüfen und mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden. So entsteht eine integrative Krebstherapie, in der sich schulmedizinische und naturheilkundliche Verfahren sinnvoll ergänzen – mit dem gemeinsamen Ziel, Tumorkontrolle, Lebensqualität und Prognose bestmöglich zu unterstützen. Informationen Misteltherapie, Partner ViscumVet
Informationen Mykotherapie, Partner Onlinepilze.de
Emotionale Unterstützung für Hund & Halter
Die emotionale Unterstützung für tierische Patienten und ihre Halter spielt im systemischen Ansatz ebenfalls eine zentrale Rolle im Umgang mit Krebserkrankungen. Die psychische Verfassung des Hundes – und ebenso die seines Menschen – sollte daher immer in die Therapie mit einbezogen werden. Stress für das erkrankte Tier kann durch Schmerzen, Unverträglichkeiten, häufige Behandlungen, Klinikbesuche oder auch durch die übernommenen Emotionen des Halters entstehen. Anhaltender Stress schwächt nachweislich das Immunsystem, fördert Entzündungsprozesse und kann Heilungsabläufe deutlich verlangsamen. Deshalb ist es wichtig, diese seelischen Belastungen zu erkennen (anzuerkennen) und bewusst zu reduzieren. Der Halter benötigt ebenfalls Stabilität und Unterstützung, um wiederum seinem Tier Sicherheit geben zu können. Gespräche mit Fachpersonen, Austausch in Selbsthilfegruppen oder begleitende Angebote wie Coaching können helfen, Ängste und Überforderung zu reduzieren. Je ausgeglichener der Mensch, desto eher kann auch der Hund zur Ruhe kommen und seine Kräfte auf das richten, was er für die Genesung am meisten braucht: ein Gefühl von Geborgenheit, Vertrauen und emotionaler Entlastung.
Neue Kooperation: Medizinisches Know-how für Tierbesitzer
Gute Information und Wissen können helfen, tierärztliche Empfehlungen besser einzuordnen, gezielt nachzufragen und gemeinsam mit dem Behandlungsteam fundierte Entscheidungen zu treffen – das schafft Sicherheit, stärkt Vertrauen in den Behandlungsweg und eröffnet neue Perspektiven im Umgang mit der Diagnose. Daher freuen wir uns sehr über die Zusammenarbeit mit der "Akademie für Tiermedizin-Wissen" von Dr. med. vet Kim Hege, um unseren Lesern noch tiefergehendes, evidenzbasiertes Fachwissen rund um Tiermedizin und Onkologie zur Seite zu stellen. Der Online-Kurs „Diagnose Krebs: Tumorerkrankungen bei Hund & Katze“ vermittelt in einem kurzweiligen Mix aus Vorträgen und praxisnahen Präsentationen verständlich aufbereitetes know-how – von der Entstehung der Erkrankung über Diagnostik bis hin zu den verschiedenen Therapieoptionen.
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